Allenstein

Stadttheater / Landestheater Südostpreußen

 

Einführung

Die Anfänge des Allensteiner Theaterlebens lassen sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Das Bild war von örtlichen Privatinitiativen und gelegentlichen Besuchen auswärtiger Theatertruppen geprägt. Keine dieser Erscheinungen war von längerer Dauer.

Etwa 1900 begann für Allenstein die Periode der Städteverbundtheater, in der oft nur wenige Jahre andauernde Allianzen mit verschiedenen Partnerstädten bestanden, weil ein eigenständiges Theater am Ort sich noch nicht als tragfähig erwies. Diese Verbindungen wurden am jeweiligen Standort von Privatleuten getragen, die künstlerische Leitung und das Bühnenpersonal betreuten das gesamte Verbundgebiet. Solche im Deutschen Reich damals oft anzutreffenden Verbund-Konstellationen führten für Allenstein zu den hier nur kurz genannten Lösungen:

  • um 1892: Allenstein, Graudenz, Marienwerder – Eigentümer in Allenstein Hotelbesitzer Bernoth
  • um 1895: Allenstein, Graudenz, Pr. Stargardt
  • um 1898: Neues Sommertheater Allenstein – Eigentümer A. Funk
  • um 1906: Allenstein, Insterburg, Memel – Eigentümer Carl Bernoth – 1907 verbunden mit Lyck, 1908–11 mit Lyck und Osterode

Um den Ersten Weltkrieg trat die Stadt Allenstein als Pächter auf oder subventionierte den Eigentümer; nun wurde die Entwicklung zum standortbezogenen Unternehmen als Stadttheater Allenstein deutlich:

  • 1913/14: Stadttheater Allenstein – Spielzeit aufgeteilt zwischen Allenstein und Memel – Pächter: Stadt Allenstein
  • 1914–20: Stadttheater Allenstein – Eigentümer Gustav Kornege
  • 1920–22: Deutsches Theater Allenstein – Eigentümer Gustav Kornege

Bis hierhin verlief die Allensteiner Theatergeschichte, was Eigentumsverhältnisse und Organisationsstruktur betrifft, ähnlich wie manche andere im Deutschen Reich. Aber am Beginn der Spielzeit 1920/21 fällt mit der Umbenennung von Stadttheater Allenstein zu Deutsches Theater Allenstein eine Besonderheit ins Auge, die sich nur vor dem Hintergrund des Ausgangs des Ersten Weltkrieg erklären lässt: In Masuren, dem südlichen Teil Ostpreußens, das sowohl von Deutschland als auch von Polen beansprucht wurde, fand nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages am 11. Juli 1920 eine Volksabstimmung statt, die über die staatliche Zugehörigkeit dieser Region entschied. Das Ergebnis war ein sehr klares Bekenntnis für den Verbleib in Deutschland. Als Konsequenz wurde das Theater demonstrativ in Deutsches Theater umbenannt.

Max Worgitzki

Die kulturelle Identität des Abstimmungsgebietes als deutsch geprägte wurde in den folgenden Jahren unterstrichen und vielfältig gepflegt. Durch den herausragenden Einsatz des Allensteiners Max Worgitzki, der sich schon bei der Abstimmung 1920 ungewöhnlich engagiert hatte, aber auch durch die Allensteiner Bezirksregierung, die Königsberger Provinzverwaltung und das Berliner Innenministerium kam es nach den Inflationsverwerfungen zu einem Theaterneubau in Allenstein, dem der symbolische Name Treudank gegeben wurde und das am 29. September 1925 eröffnet wurde. – Dabei traf es sich gut, dass die Komische Oper Königsberg mit dem Ablauf der Spielzeit 1924/25 schließen musste. Der größte Teil des Orchesters konnte nach Allenstein verpflichtet werden. Das ermöglichte es dem Landestheater Südostpreußen, sofort als Sprech- wie auch als Musikbühne vor die Öffentlichkeit zu treten.

Allenstein – Der Treudank

Schon vor dem Neubau des Treudanks war klar, dass das Theater nicht nur Allenstein bedienen sollte sondern das gesamte Abstimmungsgebiet. Dies kam auch durch die Umbennung der Theatergesellschaft in Landestheater Südostpreußen G.m.b.H. zum Ausdruck. Hier wurden seit der Spielzeit 1922/23 – im Laufe der Jahre durchaus wachsend und sich verfestigend – schließlich 23 Städte Masurens regelmäßig bespielt; teilweise ging man auch über dieses Gebiet hinaus. Je nach Ortsgröße fanden in jeder Spielzeit, abgesehen von Allenstein, wo fast täglich gespielt wurde, in der Regel 7 oder 14 Vorstellungen statt, also eine oder zwei monatlich (Details s. Spielpläne).

Die Allensteiner Theaterdirektoren waren:

  • 1913/14 Paul Harwardt / Adolf Grohmann
  • 1918–1922 Bruno Bellmann
  • 1922–1925 Friedrich von Strom

Von 1925 bis 1942 stand das Landestheater Südostpreußen unter der künstlerischen Leitung von Ernst Theiling (*28.9.1881 in Magdeburg).

Ernst Theiling

Nach Theilings Tod im September 1942 leitete Franz-Joseph Delius das Theater bis zum Ende der deutschen Zeit.

Günther Wand (1912–2002), der später einer der bedeutendsten Dirigenten klassischer und romantischer Musik wurde, arbeitete von 1934 bis 1938 zuerst als Zweiter, dann als Erster Kapellmeister in Allenstein.

Von den Allensteiner Ensemblemitgliedern hat die Sopranistin Elisabeth Rose nach dem Zweiten Weltkrieg die bedeutendste Karriere an der (Ost-)Berliner Staatsoper Unter den Linden gemacht. Elisabeth Rose debütierte 1943 in Allenstein als Leonore in Verdis Troubadour.Ihre späteren Berliner Glanzrollen waren die der Elisabeth und der Marschallin. Elisabeth Rose ist am 16. Mai 2011 im Alter von 93 Jahren in Berlin gestorben. – Details im Untermenü Zur Spielzeit 1943/44.

Elisabeth Rose als Pamina 1943 in Allenstein
(Stadtgemeinschaft Allenstein, Gelsenkirchen)

Ab 1937 unterhielt das Landestheater Südostpreußen mit dem Kurtheater Samland eine Zweigstelle in Rauschen bzw. in Georgenswalde. In den Sommermonaten wurden die wichtigsten ostpreußischen Ostseebäder bespielt.

Der Zweite Weltkrieg, besonders die Annexion des Bezirks Zichenau und seine Eingliederung in die Provinz Ostpreußen, hatte gravierende Auswirkungen auf das Landestheater Südostpreußen. Desgleichen kamen durch Truppenbetreuung in den besetzten polnischen (Generalgouvernement) und russischen Gebieten (Bezirk Bialystok) neue Aufgaben auf das Theater zu.

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Hier geht es zu den wesentlichen Quellen, auf die sich dieser Beitrag stützt.

Hier geht es zu den Spielplänen.