Tilsit

Tilsit: Stadttheater / Grenzlandtheater

 

19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert, teilweise auch schon im 18., stand das Tilsiter Theaterleben im Zeichen reisender Gruppen und Einzelkünstler, die hier gelegentlich gastierten.

Im "Tilsit-Arbeitsbrief" (s. Quellen) heißt es über die Frühzeit:

1694 traten zum erstenmal nachweislich Komödianten im großen Saal des Weinhauses des Apothekers Falk (Deutsche Straße) auf. 1772 gab es Schauspielergesellschaften in Danzig und Königsberg, die als Wanderbühnen auf dem Wege nach Kurland durch Tilsit kamen und auch hier auftraten.

Der Buchdrucker Heinrich Post schreibt, daß am 15.3.1807 am Ende des glücklosen Krieges eine Schauspieltruppe acht Tage in Tilsit gastiert habe. Sie spielten sehr beengt hinter dem Lazarett in dem Jahrmarktsbudenschauer (Deutsche Straße/Ecke Seilerstraße). 1811 ließ der Königsberger Intendant Heckert die "Tilsiter Theaterscheune" ausbauen und verbessern.

Aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sind vor allem fünf ausgedehnte Tourneen des Königsberger Stadttheaters zu erwähnen, deren Umfang der folgenden Tabelle zu entnehmen ist. Die Spielpläne dieser Gastspiele sind im Menü Theaterzettel/Akademie der Künste/Gastspiele zu erreichen.

18. Juli bis 23. August 1847 26 Vorstellungen
31. August bis 31. Oktober 1851 42 Vorstellungen
8. August bis 20. Oktober 1852 42 Vorstellungen
25. August bis 2. Oktober 1854 34 Vorstellungen
24. Juli bis 22. September 1862 49 Vorstellungen

Anlässlich des Gastspiels 1862 erschien ein achtseitiger "Theater-Almanach der Königsberger Schauspiel- und Ballet-Gesellschaft in Tilsit 1862: Allen Freunden und Gönnern der dramatischen Kunst hochachtungsvoll gewidmet" von Friedrich Schmidt, gedruckt bei J. Reyländer.

1854 wurde ein Theatergebäude errichtet, das 700 Personen fasste und in dem fast 40 Jahre gespielt wurde. – Das Jahr 1893 ist in doppelter Hinsicht eine wichtige Wegmarke in Tilsits Theatergeschichte: Erstens wurde ein Theaterneubau fertiggestellt, in dem der Spielbetrieb am 6. Oktober 1893 aufgenommen wurde; er hat – Umbauten und Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg eingeschlossen – bis heute überdauert und wird im jetzigen Sowetsk als Tilsit-Theater (Тильзит-театр) weitergeführt. Zum anderen wurde der Bau außer von Privatpersonen wesentlich von der Stadt Tilsit finanziert. Hierin zeigte sich das Engagement der Stadt für ihr Theater und zwar – was damals für eine Provinzstadt nicht selbstverständlich war – für ein eigenständiges. In der Spielzeit 1893/94 firmierte man denn auch als Neues Stadttheater Tilsit, merkte aber schnell, dass man noch nicht dauerhaft auf eigenen Füßen stehen konnte.

Theater Tilsit (um 1900)

Die damals übliche Verbundlösung, der gemeinsame Betrieb eines Theaters in mehreren mittelgroßen Städten, wurde über Jahrzehnte auch von Tilsit gewählt. Die folgende Übersicht zeigt, dass die Spielzeit 1893/94, in der man selbstständig agierte, erst einmal eine Episode blieb.

1875–84 Memel / Tilsit: (Vereinigte) Stadttheater
1885 Tilsit / Insterburg: Vereinigte Stadttheater
1885/86 Memel / Tilsit – verbunden mit dem Stadttheater Insterburg
1886–88 Memel / Tilsit: Stadttheater (verbunden mit dem Sommertheater in Insterburg)
1890 Memel / Tilsit: Stadttheater
1991–92 Memel / Tilsit: Stadttheater (Eigentümer: Vorstand der Bürgerhalle)
1893/94 Neues Stadttheater Tilsit
1894/95 Vereinigte Stadttheater Tilsit/Graudenz/Memel (Eigentümer Stadt Tilsit)
1896–1904 Memel / Tilsit: Vereinigte Stadttheater (Eigentümer Stadt Tilsit)

 

Die dominierende Persönlichkeit dieser Epoche als künstlerischer Leiter war Emil Hannemann, der in Königsberg auch zwei Sommertheater führte: das Schützenhaus-Theater und das Sommertheater Luisenhöh. Dort wird er, aber auch seine Künstler-Ehefrau Ludmilla Hannemann, die 1904 in Tilsit die Direktion von ihrem Mann übernahm, und seine Tochter Käthe, die später in Berlin eine große Karriere machte, näher vorgestellt. Hannemann hat das Tilsiter/Memeler Theater von 1890 bis 1904 geleitet. Seine unmittelbaren Vorgänger waren (wie in Memel)

  • 1875–1882 H. Lincke (vielleicht schon ab ca. 1866)
  • 1882–1885 Willy Eschbach
  • 1885–1890 Eduard Carlsen

 

20. Jahrhundert

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