Abhandlungen und Notizen

Einführung

Die Nachkriegsliteratur über die ostpreußische, insbesondere über die Königsberger Musik- und Theatergeschichte fußt vor allem auf drei Grundlagen:

  • auf früheren Veröffentlichungen,
  • auf Dokumenten, über die die Autoren verfügten oder auf die sie zugreifen konnten,
  • auf persönlichen Erinnerungen.

Seit 2000, gelegentlich schon vorher, gewinnen drei Aspekte Gewicht, die so weit entweder oft ausgeblendet wurden oder erst jetzt überhaupt in den Blick genommen werden können, weil die faktische Quellenlage sich verbessert hat.

  • Wer Nachkriegsveröffentlichungen zum Thema betrachtet, seien es Bücher oder Periodika (z. B. das Ostpreußenblatt und die Heimatbriefe der diversen ostpreußischen Regionen), stellt fest, dass sie stark die Erinnerungskultur pflegten und, je weiter sie zurückliegen, dem Trennungsschmerz ihrer Adressaten gerecht zu werden versuchten. Das war und ist legitim; dieser Gesichtspunkt verliert aber mit dem Ableben der Erlebensgeneration an Bedeutung. In diesen Jahren nimmt die Zahl derjenigen, die persönliche Erinnerungen an Ostpreußen haben, dramatisch ab. Zu deren Erinnerungen gehören einerseits Flucht und Vertreibung, aber auch Reminiszenzen von prägenden Eindrücken durch die Heimat, der man entstammt. Schmerzlich störend wäre diese Rückbesinnung überlagert worden von einer angemessenen, aber objektiv notwendig gebotenen Benennung und Gewichtung derjenigen Gesichtspunkte, die der totalitären Ideologie des Nationalsozialismus zuzuordnen sind: Sie wurden gewöhnlich teilweise oder völlig verdrängt. – Fritz Gauses Königsberg-Geschichte ist von dieser Charakterisierung ausdrücklich auszunehmen; er räumt jenen dunklen Jahren ein ausführliches, wohltuend nüchtern geschriebenes, alle moralisierenden Zuordnungen vermeidendes Kapitel ein, wenn auch seine Terminologie und seine Wortwahl bisweilen erkennen lassen, welche Zeit ihn geprägt hat (Gause III 111–155 – nähere Angaben s. Auswahlbibliografie).
  • Der rasante Fortschritt der Informations- und Kommunikationstechnik hat die Möglichkeit eröffnet, alte, oft abgelegen aufbewahrte Dokumente zu digitalisieren und über das Internet bequem zugänglich zu machen. Deutschsprachige Publikationen, seien es Bücher oder Fachzeitschriften des 18. und 19. Jahrhunderts aus dem Bestand amerikanischer oder kanadischer, zunehmend auch deutscher Bibliotheken, sind seit einigen Jahren leicht zu erreichen und auszuwerten; ihre Zahl wächst ständig. Dies hat zur Folge, dass der heutige Forscher Zugriff auf Quellen hat, die den Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts schwer erreichbar oder völlig unzugänglich bleiben mussten. Ein Beispiel zeigt die Abbildung unten.
  • Schließlich ist es schon immer so gewesen, dass spätere Forscher Quellen in Archiven oder Bibliotheken auffinden, die früher unentdeckt geblieben waren oder deren Bedeutung bzw. Ergiebigkeit unterschätzt worden war. Auswirkung auf dieses Portal hatten etwa die alten Jahrgänge der Theaterzeitschriften „Deutscher Bühnenspielplan“ und „Deutsches Bühnen-Jahrbuch“ bzw. sein Vorgänger „Neuer Theater-Almanach“, die es ermöglichten, die Spielpläne und Strukturdaten der ostpreußischen Theater zu ermitteln. – In diesem Zusammenhang ist auch der Glücksfall anzuführen, dass der Betreiber dieses Portals Anfang 2011 viele tausend Theaterzettel des Königsberger Stadttheaters aus dem 19. Jahrhundert im Archiv Darstellende Kunst der Akademie der Künste Berlin ausfindig machen konnte.


Almanach für Freunde der Schauspielkunst auf das Jahr 1836
Quelle: http://books.google.de/books?id=DFs6AAAAcAAJ&pg=PA1&redir_esc=y#v=onepag...

Die drei genannten Punkte versetzen mich in die Lage, einige Episoden aus der Königsberger Theatergeschichte zu beschreiben, die so noch nicht bekannt waren. Das geschieht in diesem Menü entweder in Form kürzerer Notizen oder ausführlicherer Abhandlungen.

Gliederung: