Adolf Varena

Einführung

Adolf Varena (eigentlich Cohn), geb. 2. Januar 1842 in Mainz, gest. 8. Mai 1912 in Königsberg, entstammte einer hessischen Offiziersfamilie und entschied sich sehr früh für die Bühne.

Seine künstlerischen Stationen als Schauspieler

  • 1861    Stadttheater Erlangen
  • 1861    Stadtheater Bremen
  • 1862    Stadtheater Frankfurt a. M.
  • 1863    Hoftheater Berlin
  • 1863    Stadttheater Danzig
  • 1864    Hoftheater Kassel

und als Theaterdirektor

  • 1877    Stadttheater Stettin
  • 1882    Stadttheater Magdeburg
  • 1892    Stadttheater Königsberg

Varena leitete das Königsberger Stadttheater 20 Jahre. Er war damit neben Arthur Woltersdorff der hier am längsten tätige Theaterdirektor. Am Beginn der Spielzeit 1911/12 erklärte er, mit dem Ablauf der Saison zurückzutreten. Da er schon am 8. Mai 1912, eine Woche vor dem Ende des Spielbetriebs, starb, wird ihm sein Gesundheitszustand zu diesem Schritt bewogen haben.

Quelle. Spemann: Das goldene Buch des Theaters. Berlin, Stuttgart 1902. Nro. 1101.

Varenas Programmentscheidungen zeugen nicht immer von Mut, belegen aber das kluge Abwägen von künstlerischem Anspruch und wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Auf anspruchsvollere Werke folgte leichtere Kost, die ein gut besuchtes Haus und damit das Überleben des Theaters sicherte. Dies ist eine bezeichnende Parallele zum Direktorat Arthur Woltersdorffs: Die beiden einzigen künstlerischen Leiter des Stadttheaters im 19. bzw. im beginnenden 20. Jahrhundert, die das Haus finanziell sicher zu führen verstanden, waren lokalen Angriffen ausgesetzt, das Programm sei zu seicht, künstlerische Ansprüche würden zugunsten bescheidener Angebote hintangestellt, beim Direktor würde der Kaufmann über den Musensohn obsiegen.

Der Schwerpunkt von Varenas Spielplan lag bei der großen Oper. Die damals weit verbreiteten Gastauftritte prominenter Künstler (u. a. Lola Beeth, Francheschina Prevosti, Adele Sandrock, Julia Serda, Albert Bassermann und der junge Paul Wegener) zogen auch bei erhöhten Eintrittspreisen vor allem in der ersten Hälfte von Varenas Tätigkeit viele theaterinteressierte Königsberger an.

Varenas lange Amtszeit und wohl auch seine angegriffene Gesundheit werden den Herausgeber und den Verlag des Almanachs des Königsberger Stadttheaters 1911–1912 veranlasst haben, den zum Jahreswechsel 1911/12 erscheinenden Jahresband ganz dem scheidenden Theaterdirektor zu widmen, ein in der langen Geschichte der Königsberger Theater-Journale einmaliger Vorgang.

Deshalb werden hier zwei Beiträge im Wortlaut dokumentiert:

Eine schöne Ergänzung ist die Kritik, die Emil Krause 1902, also anlässlich Varenas "Halbzeit", in der Hartungschen Zeitung zum zehnjährigen Jubiläum des Theaterdirektors schrieb.

Varena gehörte dem Direktionalausschuss und dem Ehrenrat des Deutschen Bühnenvereins an und wurde zum königlichen Hofrat ernannt.