Bach-Verein Königsberg

Übersicht

Das vollständige Werk Johann Sebastian Bachs ist erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der Bachgesellschaft veröffentlicht und damit erschlossen worden. Dadurch konnte die Musikwelt ein umfassendes Bild von Bach gewinnen. Es dauerte allerdings Jahrzehnte, bis es selbstverständlich wurde, dass das Kernstück des Bachschen Vokalwerks, seine Kantaten, öffentlich aufgeführt wurde.

In Königsberg wurde Musikfreunden zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, nämlich 1916, also mitten im Ersten Weltkrieg, klar, dass etwas für Bach getan werden müsse. Eine Gruppe Interessierter um den Leiter des Domchors, Walter Eschenbach, gründete den Bach-Verein Königsberg, der unter Eschenbach am 26. November sein erstes Konzert gab, bei dem neben einer Kantate von Georg Böhm zwei Bachsche Kirchenkantaten aufgeführt wurden.

Anmerkung: In diesem Konzert wirkte auch Lotte Simon als Geigerin mit, die an anderer Stelle dieses Portals gewürdigt wird.

Der Bach-Verein war bis 1944 aktiv, stand bis 1932 unter der Leitung von Walter Eschenbach und anschließend unter derjenigen von Traugott Fedtke, dem Kantor und Organisten der Neurossgärter Kirche, in der dann gewöhnlich auch die Aufführungen stattfanden.

Bach-Verein: Brahms-Requiem am 23.11.1941 in der Neurossgärter Kirche
Ltg.: Traugott Fedtke
[Quelle: Festschrift Königsberger Bach-Tage 1942]

In der Ära Eschenbach veranstaltete der Bach-Verein jährlich zwei bis drei Konzerte, gewöhnlich in der Passionszeit, am Bußtag oder am Totensonntag und zu Weihnachten. Unter Fedtke kam es jährlich meist zu sechs Auftritten, darunter waren ab 1938 einer oder zwei, bei denen der Opernchor im Opernhaus verstärkt wurde. Es fällt ins Auge, dass der Bach-Verein zeitweise – vor allem in der Anfangsphase seiner beiden Dirigenten – aus künstlerischen oder wirtschaftlichen Gründen überwiegend reine a-capella-Konzerte gab. – Details sind dem Untermenü zu entnehmen, in dem die Konzertprogramme des Bach-Vereins dokumentiert werden. Die im Folgenden erwähnten beiden geschichtlichen Abrisse eräutern die Hintergründe.

Die Geschichte des Bach-Vereins ist zweimal ausführlich dargestellt worden, einmal vom Vorsitzenden Hermann Roquette anläßlich der vom Bach-Verein veranstalteten Bach-Tage 1942 und nach dem Zweiten Weltkrieg von Traugott Fedtke, der aus größerem zeitlichen Abstand am 25. Mai 1974 im Ostpreußenblatt über den »Bachverein in Oper und Konzert« schrieb. Die Artikel überschneiden sich teilweise, ergänzen sich aber und werden hier neu veröffentlicht.

Den Höhepunkt in der Geschichte des Bach-Vereins bilden die 1942 veranstalteten Bach-Tage. Aus diesem Anlass erschien eine Festschrift, die neben den Programmen der Festwoche auch den erwähnten Geschichtsabriss von Roquette und die Programme aller bis dahin gegebenen Konzerte des Bach-Vereins enthält. Sie werden in diesem Kapitel dokumentiert.

Schließlich hat Christiane Fedtke, Einbeck, die Tochter Traugott Fedtkes, dem Anbieter dieses Portals Dokumente zur Verfügung gestellt, die es erlauben, den Lebensweg ihres Vaters zu schildern. Sie hat der Veröffentlichung zugestimmt, ebenso der erneuten Publikation des Aufsatzes von 1974.

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