Apollo-Theater

Das Apollo-Theater war über 25 Jahre ein verlässlicher Faktor in der Königsberger Theater- und Unterhaltungsszene. Es wurde am 1. Februar 1897 als Sommertheater eröffnet und hatte gegenüber den meisten Königsberger Theatern dieser Art die günstigere Lage aufzuweisen. Das Haus Steindamm 32 war wesentlich besser zu erreichen als viele Konkurrenzunternehmen, z. B. Luisenhöh und Julchenthal im Nordwesten in den Mittelhufen, das Sprind-Theater östlich jenseits des Königstors, alle außerhalb der Befestigungsanlagen der Stadt. Lediglich das Schützenhaus-Theater im Norden unweit des Oberteichs und das zentral gelegene Passage-Theater in der Rossgärter Passage hatten eine vergleichbare oder gar bessere Lage.

Das Apollo-Theater ordnete sich unscheinbar in die Häuserfront des Steindamms ein, verfügte also nicht über ein eigentliches Theatergebäude. Der Zuschauersaal bot gleichwohl etwa 1000 Besuchern Platz, die Kapazität schwankte im Lauf der Jahre zwischen 800 und 1200.

Apollo-Theater (vorn rechts)

Die Geschichte war bewegt; sowohl die Besitzverhältnisse wie das Angebot änderten sich ständig. Als Eigentümer sind nachzuweisen: Brauereibesitzer Rettig 1898; Peter Stamp 1900/01; Fabrikbesitzer Eugen Abert 1909–1912. Unter den künstlerischen Leitern waren: Alex Ferri 1898; Peter Stamp 1901; Kurt Grösser 1909; Hans Krüger-Kroneck 1910–1912.

Obwohl als Sommertheater konzipiert, fanden gleich in der ersten Saison "während der Wintersaison Spezialitäten-Vorstellungen statt"; das Theater wurde noch während des ersten Jahres umgebaut und am 17. Mai 1898 wieder eröffnet. Zu den Schauspielern der Sommerspielzeit 1898 gehörte auch der Königsberger Leopold Jessner, der an einem anderen Theater engagiert war und offensichtlich die Sommerpause nutzte, seine Angehörigen in Königsberg zu besuchen und dabei ein Zubrot im Apollo-Theater zu verdienen. In der nachfolgenden Spielzeit gehörte Jessner dem Ensemble des Passage-Sommertheaters an. Jessner wurde später (1915–1919) Intendant des Neuen Schauspielhauses, bevor er anschließend am Berliner Schauspielhaus (1919–1930) weltweiten Ruhm erwarb.

Sommerspielzeit 1898 (Neuer Theater-Almanach 1899)

In der Spielzeit 1900/01 versuchte sich das Apollo-Theater als Vollsaison-Theater; es hatte ein Schauspiel- und ein Gesangsensemble, ein Orchester und ein Ballett. Zur Aufführung gelangten Schauspiele, Lustspiele, Possen und Operetten. Ein Blick auf das künstlerische Personal der Sommerspielzeit 1900 zeigt, dass es hier kaum Übereinstimmungen mit dem der nachfolgenden Wintersaison gab.

Über die Sommerspielzeit 1902 schreibt Moser:

Auch das in Berlin am 23. Januar 1901 begründete "Schall und Rauch"-Ensemble mit seinen drolligen Serenissimus-Scenen ließ sich im Apollotheater einige Tage vor den Königsbergern sehen [Moser 203f.].

Da gleichzeitig Ernst von Wolzogen mit seinem Überbrettl im Neuen Theater Julchenthal gastierte, war die neue Kleinstkunstform des Kabaretts endgültig in Königsberg angekommen, wobei zu berücksichtigen ist, dass schon ein Jahr zuvor Hanns-Heinz Evers mit einem Überbrettl-Tournee-Ensemble, das sich dann von Wolzogens Original-Truppe abspaltete, in Königsberg aufgetreten war (s. hierzu die Pressefehde zwischen dem Kritker Ernst Otto Nodnagel und Ewers in der Ostpreußischen Zeitung).

Die Angebotsmischung des Apollo-Theaters änderte sich in den folgenden Jahren, in denen der Schwerpunkt wieder auf er Sommer-Saison lag, erst einmal nicht.

Für einen Teil der Sommerspielzeit 1912, nämlich für die Monate Mai und Juni, lässt sich noch der Spielplan nachweisen. Das Ensemble war mit 21 Personen gegenüber knapp 40 im Jahr 1900 zwar fast halbiert; das Theater verfügte aber immer noch über ein kleines Orchester von 12 Mitgliedern.

Im Ersten Weltkrieg wurde das Apollo-Theater ein Kino und Varieté. Zeitweise wurde es als reines Lichtspieltheater geführt, in anderen Jahren wechselten Filmvorführungen mit Varieté-Angeboten. 1916 etwa gab Claire Waldoff im Apollo-Theater ein längeres Gastspiel. Das Theater ist nach 1921/22 in den Filmtheater-Verzeichnissen nicht mehr zu finden. Der letzte nachweisbare Eigentümer war die Ostdeutsche Lichtspiel-Gesellschaft m. b. H., Adolf Kandeler & Arnim Lubliner, Münzstr. 23 (1920/21 und 1921/22).

Hier geht es zu den Spielplänen von 1912.