Geschichte des Kbg. Musikvereins

Der Königsberger Musikverein wurde 1896 als Laienorchester gegründet und war damit neben dem Orchester des Stadttheaters und der seit 1838 bestehenden Philharmonie, ebenfalls einer Dilettantenvereinigung, das dritte nennenswerte Orchester in Königsberg. Neben der Hauptaufgabe, dem Studium von Werken der Orchester- und Kammermusik, gab es eine weitere Betätigung: Viele Königsberger Chöre benötigten zur Aufführung größerer Chorwerke Instrumentalunterstützung. Die konnte das Orchester des Stadttheaters nur vereinzelt leisten. So kam es dazu, dass die Dirigenten der beiden Dilettantenorchester, die gewöhnlich auch einen oder mehrere Chöre leiteten, ihr Problem durch Personalunion lösen konnten.

Die zweite in der Reihe der Dirigenten des Musikvereins, Paul Scheinpflug, etwa leitete mit dem Verein der Liederfreunde und der Musikalischen Akademie zwei Chöre, deren Instrumentalbegleitung so gesichert war.

Ernst Wendel und Paul Scheinpflug, die beiden ersten Dirigenten waren es, die den Musikverein in Königsberg zu einer festen Größe machten. Einige Kritiken Ernst Otto Nodnagels aus der Zeit um 1900 sind in diesem Portal dokumentiert und können hier erreicht werden.

Ernst Wendel

Der Königsberger Musikverein fusionierte am 18.10.1919 mit der seit 1838 bestehenden, zuletzt aber etwas kränkelnden Philharmonie und firmierte nun als „Philharmonie und Musikverein“.

Lotte Simons Sammlung von Programmzetteln und Kritiken über Konzerte des Musikvereins bricht nur scheinbar in der Mitte der zwanziger Jahre ab. Danach standen die Orchester und Chöre, in denen sie mitwirkte, unter Hugo Hartungs Leitung. Die entsprechenden Sammelstücke sind als Bestand Hartung 2 im Kapitel über Hugo Hartung dokumentiert und können hier unmittelbar angesteuert werden.

Als 1934 die von Hugo Hartung geleiteten Chorvereinigungen Musikalische Akademie und Singakademie zur Vereinigten Musikalischen und Singakademie zusammengeführt wurden, suchte auch das Laienorchester das neue gemeinsame Dach. Der etwas umständliche Name "Philharmonie und Musikverein" wurde nicht mehr verwendet; statt dessen sprach man nur noch vereinfacht von der Philharmonie. Damit war die Geschichte des Musikvereins in einem schleichenden Prozess, nicht durch einen förmlichen Akt, an ihr Ende gekommen.

Die Philharmonie erhielt zum 1.4.1935 mit dem Dirigenten des Bach-Vereins, Traugott Fedtke, einen neuen Leiter und war nun stärker an diesen Chor gebunden. An der Vereinigten Musikalischen und Singakademie bildete sich ein neues Liebhaberorchester. Es ist anzunehmen, dass die noch aktiven Mitglieder des ehemaligen Orchestervereins sich für eines der beiden Orchester entschieden und nun entweder bei Fedtke oder Hartung spielten; schriftliche Unterlagen, die Aufschluss über Details geben könnten, sind offensichtlich nicht mehr vorhanden.

Die Dirigenten des Musikvereins bzw. seiner Nachfolgeorganisation waren:

  • Ernst Wendel 1898–1909
  • Paul Scheinpflug 1909–1914
  • Carl Becker 1915/16
  • Rudolf Siegel 1915/16
  • Emil Kühns 1916–1918
  • Ernst Mehlich 1918/19
  • Karl Schmidt 1919–1921
  • Wilhelm Franz Reuss 1920–1922
  • Joseph Maria Müller-Blattau 1922–1924
  • Etti Zimmer 1923/24
  • Hugo Hartung 1924–1934